Sportliches

Zum Radsport kam ich im Sommer 1999 auf der Radtour Garmisch-Korsika-Garmisch, die mein Klassenlehrer organisiert hatte. Unsere Route führte durch die Schweiz bis zur Po-Ebene in Italien, wo wir mit der Fähre auf Korsika übersetzten. Unser Gepäck hatten wir an unseren Rädern befestigt.

 

Nach diesem Sommer trainierte ich regelmäßig auf dem Rad, meldete mich allmählich für offizielle Radevents an und erkundete vor allem das Ruhrgebiet.

 

Als ich nach Münster zog, die Fahrradhauptstadt Deutschlands schlechthin, schloss ich mich sofort der Rennradgruppe der dortigen Uni an. Auch bei den Triathleten fuhr ich mit.

 

Das schöne am Radfahren ist zu sehen, wie weit man mit einem Fahrrad und der eigenen Körperkraft kommen kann.


Gegen Ende des Jahres 2017 zeigte mir ein Blick auf die Liste der „Year Rounder Challenge“ der World UltraCycling Association (UMCA), dass sich die vielen Kilometer, die ich auch 2017 wieder geradelt bin, in besonderer Weise gelohnt haben könnten. Bei der Challenge von UMCA geht es darum, welcher Rennradfahrer in einem Jahr die meisten Kilometer radelt, wobei jede Ausfahrt mindestens 145 KM betragen muss, damit sie zählt. Zu der Zeit lieferte ich mir ein Kopf-an-Kopf-Rennen um Platz 1.

 

Deshalb entschloss ich mich dazu, im Dezember ordentlich in die Pedale zu treten. In der Region rund um Athen - nach dem GCG 2017 einer meiner neuen liebgewonnenen Trainingsorte - fuhr ich insgesamt knapp 5.000 KM in einem Monat und habe es letztlich geschafft: Als erster Europäer habe ich die „Year Rounder Challenge“ von UMCA bezwungen. Mit 97 Ausfahrten und 23.278 KM.



LONDON-EDINBURGH-LONDON  1.400 km

Am 30. Juli 2017 war es soweit. Nach PBP 2015 galt es den zweiten bekanntesten traditionellen Radmarathon (sog. Brevet) Europas zu meistern und zwar London-Edinburgh-London (LEL). Eines stand bereits von Anfang an fest: Wettertechnisch konnte man sich auf einen britischen Sommer einstellen. Und was für ein Sommer das war!

 

Am Start gegen 6:15 Uhr morgens erblickten wir noch hin und wieder ein paar freundliche Sonnenstrahlen. Wir stellten uns bereits innerlich auf den obligatorischen Regen in Schottland ein. Doch mittags rum begann es schon in Strömen zu regnen. Neben dem permanenten Platzregen hatten wir außerdem einen starken Südwind. Der Wind war zu Beginn noch von Vorteil, da er schräg von hinten kam. Aber als man dann Edinburgh erreicht hatte nach der Hälfte der Strecke und noch 700 KM vor sich hatte, wurde es ein richtiger Kampf. Vor allem nachts konnte man mit dem starken Gegenwind und Regen kaum noch sehen und mental war es eine wahre Herausforderung, sich zum Weitermachen zu motivieren. Ich erinnere mich noch, wie ich völlig durchnässt unter Bäumen hin und wieder Zuflucht suchen musste, um mit der Wetter-App auf meinem Smartphone nach einem regenfreien Zeitfenster zu schauen. So motivierte ich mich teilweise von Kontrolle zu Kontrolle.

 

Am Ende rollte ich abgekämpft aber wohlbehalten immerhin sogar als 6. Rennradfahrer ins Ziel. Laut Veranstalter hatten wir die schlechtesten Wetterbedingungen seitdem es LEL seit 1989 gibt. Traurigerweise haben es über 50 % der Teilnehmer gar nicht bzw. nicht innerhalb der vorgegebenen Maximalzeit von 116 Stunden ins Ziel geschafft. Das sagt schon einiges über das Wetter aus - auch ich hatte erst einmal genug von Regenwetter :)

GIRO-CENTRAL-GREECE                  1.400 km

Da London-Edinburgh-London schon langsam vor der Tür stand, ich mich jedoch noch nicht wirklich vorbereitet fühlte und vor der großen Distanz mit 1.400 KM schon Respekt hatte, kam es gerade Recht, dass es in Griechenland einen 1.400 KM Radmarathon (sog. Brevet) im Juni 2017 gab. Der Brevet wurde zum ersten Mal organisiert und ging einmal um das griechische Festland herum. Daher auch der Name Giro Central Greece.

 

Am 11. Juni 2017 ging es um 19 Uhr los - ein Nachtstart. Außerdem hatte es den ganzen Nachmittag stark geregnet und überall waren noch große Pfützen. Eine von ihnen habe ich leider etwas unterschätzt. Nach nur knapp 100 KM stürzte ich wegen eines Schlaglochs, das ich wegen einer Pfütze übersehen hatte, und riss mir den rechten Ellbogen auf. Auch mein Helm war kaputt und verhinderte wohl Schlimmeres. Ich wollte eigentlich nicht so früh bereits aufhören müssen. Da ich jedoch sowieso bis zur nächsten Kontrolle gelangen musste, fuhr ich weiter und hatte das Gefühl, es auch noch bis ans Ziel schaffen zu können.

 

Nachdem die Verletzung an der Kontrollstelle desinfiziert und verbunden wurde, ging es weiter. Bei bestem Sonnenwetter habe ich die griechische Natur mit ihren Bergen und Küsten genießen können und gleichzeitig viele neue Freunde kennengelernt, u.a. auch Steffen Streich. Steffen und ich kamen auch gemeinsam als erste Fahrer am Ziel an.

 

Der Brevet war gut organisiert und Griechenland hat mir als Ort zum Radfahren sehr gefallen, sodass ich seitdem nun öfters zum Training dorthin reise als Abwechslung zu Mallorca.

BORDERS-OF-BELGIUM                  1.000 km

Alle Jahre wieder. Borders-of-Belgium findet alle 2 Jahre statt. Auch im September 2016 war ich wieder dabei, um einmal entlang der belgischen Grenze rund um Belgien zu fahren. Über das erste Mal habe ich bereits in meinem Buch „Be Faster Go Vegan“ ausführlich berichtet. Das war damals mein erster 1.000 KM-Radmarathon bzw. Brevet!

 

Es war interessant für mich, einen Brevet erneut mitzufahren und meine sportlichen Leistungen von damals und heute vergleichen zu können. Auf der Strecke konnte man, wie schon beim letzten Mal, seine Kraftreserven mit natürlichen Snacks wieder auffüllen, z. B. mit Energie-Balls auf Dattelbasis. Auch vegane Bolognese gab es wieder - der Veranstalter ist nämlich selbst auch Veganer. Mit so einer Verpflegung radelt es sich gleich viel besser.

 

Kurzum, standen alle Zeichen bei Borders-of-Belgium 2016 gut für mich und so kam ich am Ende auch als schnellster Rennradfahrer am Ziel an.

PARIS-BREST-PARIS                     1.200 km

Im August 2015 war für mich ein entscheidender Punkt in meiner sportlichen „Karriere“ - auch wenn ich mich weiterhin als ambitionierter Hobbyradsportler sehe. Ich nahm an dem bekanntesten traditionellen Radmarathon (sog. Brevet) in Europa Teil: Paris-Brest-Paris (PBP).

 

Wie der Name bereits verrät, geht es von Paris aus in die Bretagne an die Atlantikküste und zurück. Der Brevet findet nur alle 4 Jahre statt und die Hürden für eine Starterlaubnis sind groß. Insbesondere muss man sich vorab qualifizieren, indem man eine Brevet-Serie von 200, 300, 400 und 600 KM noch in dem selben Jahr fährt, in dem PBP stattfindet. Weitere Brevets aus dem Vorjahr und die Summe der gefahrenen KM verbessern darüber hinaus die Chancen auf einen Startplatz bei PBP.

 

2014 und die erste Jahreshälfte von 2015 waren für mich sehr intensiv. In dieser Zeit trainierte ich nicht nur kontinuierlich, sondern entwickelte auch mein eigenes Ernährungskonzept. Mit den richtigen Nährstoffen zur richtigen Zeit macht Ernährung einen wichtigen Leistungsfaktor aus. Meine Erfahrungen und Erlebnisse bildeten später die Basis für mein Buch „Be Faster Go Vegan“.

 

Meine Vorbereitung für PBP ging auf: Am Ende bezwang ich die knapp 1.200 KM, für die maximal 90 Stunden aufgewendet werden dürfen, und das sogar innerhalb der unter Radfahrern begehrten magischen Grenze von 50 Stunden. Von nun an wusste ich endgültig, dass Langdistanzen meine Leidenschaft sind. Aber erst einmal musste ich mir eine ordentliche Mütze Schlaf genehmigen - immerhin hatte ich über 2 Tage nicht geschlafen.